Der Gedankenstrich

Wozu dient der Gedankenstrich?

Der Gedankenstrich (–, le tiret demi-cadratin), auch Halbgeviertstrich genannt, ist länger als der Bindestrich (-, le trait d’union) und kürzer als der Langstrich (—, le tiret cadratin). Er kann einzeln oder paarweise verwendet werden: Man spricht dann von einem einfachen Gedankenstrich oder von doppelten Gedankenstrichen. Der einfache Gedankenstrich markiert eine Pause zwischen Wörtern oder Sätzen (er bewirkt auch verschiedene Bedeutungseffekte). Er wird auch verwendet, um in Dialogen einen Wechsel des Gesprächspartners zu kennzeichnen. Doppelte Gedankenstriche werden wie Klammern oder Kommas verwendet, aber ihre Verwendung hebt die zusätzliche Information hervor.

Der einfache Gedankenstrich

Betonte Trennung

Der einfache Gedankenstrich markiert eine Pause und ermöglicht es, eine Wortgruppe vom Hauptsatz abzugrenzen und so die Aufmerksamkeit des Lesers auf diese Wortgruppe zu lenken.

Beispiel:
Je suis de mon cœur le vampire,
– Un de ces grands abandonnés
Au rire éternel condamnés,
Et qui ne peuvent plus sourire !Ich bin in meinem Herzen der Vampir,
– Einer dieser großen Verlassenen,
Zum ewigen Lachen verdammt,
Und die nicht mehr lächeln können!
(„L’Heautontimoroumenos“ in Les Fleurs du Mal, Charles Baudelaire)

Man kann den einfachen Gedankenstrich auch verwenden, um einen inneren Monolog einzuleiten, indem man ihn vom Rest des Satzes abgrenzt.

Beispiel:
J’étais mort sans surprise, et la terrible aurore
M’enveloppait. – Eh quoi ! n’est-ce donc que cela ?
La toile était levée et j’attendais encore.Ich war, wie zu erwarten, tot, und die schreckliche Morgendämmerung
hüllte mich ein. – Was denn! Ist das etwa schon alles?
Der Vorhang war aufgegangen, und ich wartete noch immer.
(„Le Rêve d’un Curieux“ in Les Fleurs du Mal, Charles Baudelaire)

Schließlich kann man den einfachen Gedankenstrich verwenden, um eine Schlussfolgerung hervorzuheben.

Beispiel:
Rendre plusieurs dissertations par mois, lire au moins trois livres par semaine, apprendre de nombreuses théories par cœur, aiguiser votre sens critique – il vous faudra travailler dur pour réussir l’examen final !Mehrere Aufsätze pro Monat abgeben, mindestens drei Bücher pro Woche lesen, zahlreiche Theorien auswendig lernen, den kritischen Verstand schärfen – ihr müsst hart arbeiten, um die Abschlussprüfung zu bestehen!

Aufzählung

Der einfache Gedankenstrich kann verwendet werden, um die einzelnen Elemente einer Aufzählung voneinander zu trennen. Diese Technik wird häufig zur Darstellung einer Übersicht verwendet.

Beispiel:
Sommaire : Modes personnels et impersonnels du verbe – Différences entre les verbes réguliers et irréguliers – Liste alphabétique des verbes irréguliersInhaltsverzeichnis: Persönliche und unpersönliche Verbformen – Unterschiede zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Verben – Alphabetische Liste der unregelmäßigen Verben

Pausenmarkierung im Text

Der einfache Gedankenstrich kann verwendet werden, um eine kurze Pause im Text zu markieren.

Beispiel:
À vos marques – prêts – partez !Auf die Plätze – fertig – los!

Der einfache Gedankenstrich in Dialogen

Der einfache Gedankenstrich wird verwendet, um in Dialogen den Wechsel des Gesprächspartners zu kennzeichnen. Der Gedankenstrich kann dabei mit Anführungszeichen kombiniert werden. Typografisch können die Redebeiträge horizontal oder vertikal angeordnet werden.

Beispiele:
« Adèle, mon ours a disparu – C’est Lili qui l’a pris… – Mais comment est-ce possible ? – Elle a réussi à marcher jusqu’à ta chambre… La porte était ouverte… – Où est-il ? Où l’a-t-elle mis ? […] »„Adèle, mein Teddybär ist verschwunden – Lili hat ihn genommen … – Aber wie ist das möglich? – Sie hat es geschafft, bis in dein Zimmer zu laufen … Die Tür stand offen … – Wo ist er? Wo hat sie ihn hingetan? […]“ (Enfance, Nathalie Sarraute)
SCAPIN. – Monsieur…
GÉRONTE. – Quoi ?
SCAPIN. – Monsieur, votre fils…
GÉRONTE. – Hé bien ! Mon fils…
SCAPIN. – Est tombé dans une disgrâce la plus étrange du monde.SCAPIN. – Monsieur …
GÉRONTE. – Was?
SCAPIN. – Herr, Ihr Sohn …
GÉRONTE. – Ach so! Mein Sohn …
SCAPIN. – Ist in die seltsamste Ungnade der Welt gefallen.
(Les Fourberies de Scapin, Acte II, Scène VII, Molière)

Doppelte Gedankenstriche

Wenn man einem Satz eine zusätzliche Information hinzufügt und diese besonders hervorheben möchte, kann man diese Information zwischen zwei Gedankenstriche (doppelte Gedankenstriche) setzen.

Doppelte Gedankenstriche werden also wie Kommas oder Klammern verwendet, heben jedoch im Gegensatz zu diesen das Element hervor, das sie einrahmen.

Beispiel:
Je vois encore les murs blanchis, le store de toile qui donne sur la fournaise, l’autre porte en arcade qui mène à l’autre chambre et à un jardin à ciel ouvert – les plantes sont mortes de chaleur – entouré de balustrades bleues comme la grande villa de Sadec étagée de terrasses qui donnent sur le Mékong.Ich sehe noch immer die weiß getünchten Wände, die Stoffmarkise, die auf die Gluthitze hinausgeht, die andere Bogentür, die in das andere Zimmer und in einen offenen Garten führt – die Pflanzen sind vor Hitze eingegangen –, umgeben von blauen Balustraden wie die große Villa von Sadec mit ihren Terrassen, die auf den Mekong hinausgehen. (L’Amant, Marguerite Duras)

Achtung! Wenn das zwischen den doppelten Gedankenstrichen stehende Element den Satz beendet, wird der zweite Gedankenstrich von der abschließenden Zeichensetzung absorbiert.

Beispiel:
Le plaisir du texte, c’est ce moment où mon corps va suivre ses propres idées – car mon corps n’a pas les mêmes idées que moi.Die Freude am Text ist jener Moment, in dem mein Körper seinen eigenen Gedanken folgt – denn mein Körper hat nicht dieselben Gedanken wie ich. (Le plaisir du texte, Roland Barthes)
nicht: Le plaisir du texte, c‘est ce moment où mon corps va suivre ses propres idées – car mon corps n‘a pas les mêmes idées que moi –

Zusätzliche Informationen lassen sich durch Klammern, Kommas oder Gedankenstriche vom Rest des Satzes abgrenzen. Informationen in Klammern sind eher nebensächlich, während Kommas neutral sind und Gedankenstriche die Information hervorheben.

Beispiele:
Sandra (la copine de Paul) nous a fait un gâteau hier.Sandra (Pauls Freundin) hat uns gestern einen Kuchen gebacken.
Nebeninformation
Sandra, la copine de Paul, nous a fait un gâteau hier.Sandra, Pauls Freundin, hat uns gestern einen Kuchen gebacken.
neutral
Sandra – la copine de Paul – nous a fait un gâteau hier.Sandra – Pauls Freundin – hat uns gestern einen Kuchen gebacken.
deutliche Hervorhebung / Betonung der Information

Hinweis

Im heutigen französischen Schriftsatz werden die bisher genannten Funktionen in der Regel durch den Gedankenstrich (–) übernommen, insbesondere um einen Einschub einzurahmen, eine Pause zu markieren oder einen Satzbruch zu kennzeichnen.
Der Langstrich (—) wird ebenfalls in bestimmten typografischen Traditionen oder von einigen Verlagen verwendet, um ähnliche Funktionen zu erfüllen, insbesondere in Dialogen oder literarischen Texten. Es wird empfohlen, die gleiche typografische Wahl im gesamten Dokument beizubehalten.

Der Gedankenstrich als Verbindungselement

Strecken

Wenn man eine Strecke angeben möchte, verbindet man die beiden betreffenden geografischen Angaben (Abfahrtsort, Zielort usw.) durch einen Gedankenstrich.

Beispiele:
Je vais prendre le train de nuit Paris – Berlin.Ich nehme den Nachtzug Paris – Berlin.
Le vol Los Angeles – New York est retardé d’une heure.Der Flug Los Angeles – New York hat eine Stunde Verspätung.

Zeitangaben

Mit dem Gedankenstrich kann auch die Start- und Endzeit einer Aktivität verbunden werden.

Beispiele:
Cours de français : 8h – 10hFranzösischkurs: 8:00–10:00 Uhr
Horaires d’ouverture : 11h – 20hÖffnungszeiten: 11:00–20:00 Uhr