Der Langstrich

Wozu dient der Langstrich?

Der Langstrich (—, le tiret cadratin), auch Geviertstrich genannt, ist länger als der Bindestrich (-) und der Gedankenstrich (–). Er wird im Französischen hauptsächlich am Anfang jedes Redebeitrags in einem Dialog verwendet oder um eine Präzisierung anstelle von Klammern oder Kommas einzufügen. Er kann auch eine Unterbrechung im Satz anzeigen und so eine bestimmte Idee oder ein bestimmtes Element hervorheben.

Einleitung von Dialogen

Der Langstrich ist das Satzzeichen, das nach der traditionellen französischen Typographie dazu dient, einen Wechsel des Gesprächspartners anzukündigen.

Ein Dialog kann verschiedene Formen annehmen: Er kann durch ein Verb des Sprechens eingeleitet werden oder ohne jegliche Einleitung im Verlauf einer Erzählung auftreten. In beiden Fällen beginnt jeder Wechsel des Gesprächspartners in einer neuen Zeile und wird durch einen Langstrich (—) gefolgt von einem Leerzeichen eingeleitet. Man kann zwischen den folgenden Dialogarten unterscheiden:

  • Direkter Dialog: Er gibt die Worte so wieder, wie sie gesprochen werden, ohne dass sie von einem Erzähler angekündigt werden.
Beispiel:
— Tu ne dis plus rien ?
— Non, j’essaye de trouver le sommeil.
— Il est quelle heure ?
— Très tôt… trop tôt… (Cantique du chaos, Mathieu Belezi) – Sagst du nichts mehr?
– Nein, ich versuche einzuschlafen.
– Wie spät ist es?
– Sehr früh, viel zu früh.

Ein Dialog kann auch in Anführungszeichen (« ») gesetzt werden. Jeder Wechsel des Gesprächspartners wird ebenfalls durch einen Langstrich (—) gefolgt von einem Leerzeichen gekennzeichnet.

Beispiel:
« Je crois, dit-elle. Je crois en un Dieu de bonté.
— Je ne crois en aucun Dieu.
— Je sais. Tu ne crois en rien.
— En l’amour, dit-il en la regardant. Je crois en l’amour. » (L’autre moitié du soleil, Chimamanda Ngozi Adichie)– Ich glaube – sagt sie –, ich glaube an einen gütigen Gott.
– Ich glaube an keinen Gott.
– Ich weiß. Du glaubst an nichts.
– An die Liebe – sagt er und sieht sie an. – Ich glaube an die Liebe.
  • Angekündigte Dialoge: Wird durch ein Verb des Sprechens angekündigt (diresagen, répondreantworten, demanderfragen, murmurermurmeln, crierschreien…), und anschließend nach einem Doppelpunkt (:) mit dem Langstrich eigefügt:
Beispiel:
Charles s'approcha d'elle et lui dit :
— Vous souffrez ?
Elle répondit qu'elle n'avait rien. Il la regarda un moment sans parler, puis reprit sa route. (Madame Bovary, Gustave Flaubert)Charles näherte sich ihr und sagte:
– Leiden Sie?
Sie antwortete, es sei nichts. Er sah sie einen Moment lang schweigend an, dann setzte er seinen Weg fort.

Es ist auch üblich, dass die Anführungszeichen am Anfang des Zitats stehen, in der Regel hinter dem Doppelpunkt (:).

Beispiel:
Le blanc-France lui tapota l’épaule d’un geste paternel et s’écria :
« Le comte de Monte-Cristo !… Alexandre Dumas ! Dis donc tu en as des lectures ! Tu sais qui c’est Dumas ?
— Un… grand écrivain…
— Mais encore ? Ne me fais pas croire que tu le lis par hasard ! (Case à Chine, Raphael Confiant)Blanc-France tätschelte ihm väterlich die Schulter und rief aus:
Der Graf von Monte Cristo … Alexandre Dumas! Du liest ja wirklich viel! Weißt du, wer Dumas ist?
– Ein großer Schriftsteller.
– Und was noch? Lass mich bloß nicht glauben, dass du ihn zufällig liest!

Ein Dialog kann auch ohne Verb des Sprechens eingeleitet werden. Dies ist der Fall, wenn der Kontext es dem Leser ermöglicht, den Wechsel des Gesprächspartners zu erkennen.

Beispiel:
Tout à coup, la vieille leva la tête.
— Qui est là ? dit-elle.
— C'est moi, répondit Jean Valjean.
Elle tressaillit, puis se remit à son ouvrage. (Les Misérables, Victor Hugo)Plötzlich hob die alte Frau den Kopf.
– „Wer ist da?“, sagte sie.
„Ich bin es“, antwortete Jean Valjean.
  • Theaterdialoge folgen in der Regel einer anderen typografischen Konvention. Der Name der Figur erscheint am Anfang des Dialogs, gefolgt von einem Doppelpunkt (:), und danach folgt ihr Text.
    In einigen französischen Ausgaben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie in bestimmten universitären Stilrichtlinien werden Dialoge wie folgt interpunktiert:

NAME. — Äußerung

Beispiel:
MAÎTRE SIMON. — Oui, monsieur ; c'est un jeune homme qui a besoin d'argent…
HARPAGON. — Mais croyez-vous, maître Simon, qu'il n'y ait rien à péricliter ?… (Molière, Œuvres complètes (Garnier, 1904)) MAESTRO SIMÓN: Ja, mein Herr; es ist ein junger Mann, der Geld braucht.
HARPAGON: Aber, Meister Simon, glauben Sie etwa, dass es nichts gibt, was nicht den Bach runtergehen könnte?

oder Name. « — Äußerung »

Beispiel:
SILVIA. — « Je ne sais ce que je dois penser… »
DORANTE. — « Permettez-moi de vous répondre… » ( Pierre de Marivaux, Le Jeu de l'amour et du hasard, (Briasson, 1730))SILVIA: Ich weiß nicht, was ich denken soll …
DORANTE: Erlauben Sie mir, Ihnen zu antworten …

Hinweis

Traditionell empfiehlt die französische Typografie die Verwendung des Langstrichs (—) zur Einleitung des Redebeitrags in einem Dialog. Heutzutage wird hierfür jedoch bei einigen Verlagen und immer mehr im digitalen Raum auch der Gedankenstrich (–) verwendet. Die Wahl hängt in erster Linie von den jeweils geltenden Stilrichtlinien ab.

Gedanken umrahmen

Der Langstrich kann genutzt werden, um einen Gedanken oder eine Angabe hervorzuheben und vom übrigen Text abzugrenzen. Er kann ein Komma oder eine Klammer ersetzen und umrahmt eine Information, die innerhalb eines Satzes hinzugefügt wird, ohne für die grammatikalische Struktur unverzichtbar zu sein. Diese Information kann eine Beschreibung, eine Erklärung, eine Präzisierung, ein Kommentar des Erzählers oder ein Nebengedanke sein.

Beispiele:
« L’homme — mulâtre dans la cinquantaine au visage ravagé par la vérette — s’avança d’un pas martial… »
(Case à Chine, Raphaël Confiant)Der Mann – ein Mulatte in den Fünfzigern mit einem von der Syphilis gezeichneten Gesicht – trat mit martialischem Schritt vor …
In diesem Beispiel dient der Einschub der Beschreibung der Figur. Durch den doppelten Langstrich wird diese Information vom Hauptgedankengang des Satzes abgesetzt.
« Ma mère — que je voyais rarement depuis mon départ — avait gardé le même sourire. »
(Le Grand Meaulnes, Alain-Fournier)Meine Mutter – die ich seit meiner Abreise nur selten gesehen hatte – hatte immer noch dasselbe Lächeln.
Der Einschub liefert eine Präzisierung zur Mutter des Erzählers, ohne den Hauptsatz zu verändern.

Eine Wendung in der Rede markieren

Der Langstrich erzeugt eine ausdrucksstärkere Pause als ein Komma. Er kann ein Zögern, einen plötzlichen Wechsel oder einen Gegensatz zwischen zwei Gedanken signalisieren.

Beispiele:
« Il allait répondre — puis il se tut. » (Madame Bovary, Gustave Flaubert)Er wollte gerade antworten – doch dann schwieg er.
Die durch den Langstrich eingeleitete Pause hebt den Einstellungswechsel der Figur hervor.
Je voulais partir — mais quelque chose me retenait encore. (La Condition humaine, André Malraux)Ich wollte gehen – doch etwas hielt mich noch zurück.
Der Langstrich unterstreicht hier den inneren Konflikt der Figur.

Hinweis

In der traditionellen französischen Typografie werden die im Artikel erwähnten Verwendungszwecke dem Langstrich (—) zugeordnet: bei Dialogen, um einen Einschub einzurahmen oder um einen Satzbruch zu markieren.
In vielen zeitgenössischen Publikationen wird jedoch auch der Gedankenstrich (–) für dieselben Funktionen verwendet. Beide Zeichen können daher im heutigen Sprachgebrauch als austauschbar betrachtet werden, sofern im gesamten Dokument die gleiche typografische Wahl beibehalten wird.