Das Semikolon
Wozu dient das Semikolon?
Das Semikolon (le point-virgule) markiert eine Trennung oder Unterbrechung, die stärker ist als die eines Kommas, aber schwächer als die eines Punktes. Im Allgemeinen wird es seltener verwendet als der Punkt oder das Komma. Dabei ist zu beachten, dass das Semikolon viel eher dazu dient, zwei Sätze miteinander zu verbinden, als sie voneinander zu trennen.
Bemerke! Im Französischen wird, wie beim Doppelpunkt auch, zwischen Semikolon und vorangehendem/nachfolgendem Wort immer ein Leerzeichen gesetzt.
- Beispiel:
- Il est tard ; nous devrions partir.Es ist spät; wir sollten gehen.
Inhalt
Verwendung
Die Verwendung des Semikolons ist freier als die anderer Satzzeichen. Es gibt keine wirklich strengen Regeln, die die Verwendung des Semikolons in bestimmten Fällen verbieten oder erlauben. Meistens liegt es an uns zu entscheiden, ob wir es verwenden wollen oder nicht. Das Wichtigste im Überblick:
Zwei unabhängige Sätze werden durch ein Semikolon getrennt, wenn sie inhaltlich eng miteinander verbunden sind. Ein Komma würde eine zu schwache Trennung signalisieren, während ein Punkt eine zu starke Unterbrechung bedeuten würde.
- Beispiele:
- Je vois bien que je vous aime comme une folle ; cependant je ne me plains point de toute la violence des mouvements de mon cœur […].Ich sehe wohl, dass ich Sie wie verrückt liebe; dennoch beklage ich mich nicht über die ganze Heftigkeit der Regungen meines Herzens ( … ). (Lettres portugaises, Gabriel de Guilleragues (?))
Das Semikolon kann somit unterschiedliche Bedeutungseffekte hervorrufen, da es eine logische Verbindung zwischen zwei unabhängigen Sätzen hervorhebt.
- Beispiele:
- Un instant il pensa à allumer du feu ; mais il essaya vainement de soulever le tablier rouillé de la cheminée.Einen Moment lang dachte er daran, ein Feuer anzuzünden; doch er versuchte vergeblich, die verrostete Klappe des Kamins anzuheben. (Le grand Meaulnes, Alain-Fournier)
- Das Semikolon impliziert einen Gegensatz.
- Alors il se prit à ranger dans la chambre ; il accrocha ses beaux habits aux portemanteaux, disposa le long du mur les chaises bouleversées, comme s’il eût tout voulu préparer là pour un long séjour.Da begann er, das Zimmer aufzuräumen; er hängte seine schönen Kleider an die Kleiderbügel und stellte die durcheinandergewürfelten Stühle an der Wand auf, als wolle er dort alles für einen langen Aufenthalt vorbereiten. (Le grand Meaulnes, Alain-Fournier)
- Das Semikolon leitet eine Erklärung ein.
- J’aurais voulu ne pas penser aux heures d’angoisse que je passerais ce soir seul dans ma chambre sans pouvoir m’endormir ; je tâchais de me persuader qu’elles n’avaient aucune importance, puisque je les aurais oubliées demain matin […].Ich hätte mir gewünscht, nicht an die Stunden der Angst zu denken, die ich heute Abend allein in meinem Zimmer verbringen würde, ohne einschlafen zu können; ich versuchte mir einzureden, dass sie keine Bedeutung hätten, da ich sie morgen früh vergessen hätte […]. (Du côté de chez Swann, Marcel Proust)
- Das Semikolon leitet eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ein.
Info
Die beiden durch ein Semikolon getrennten Sätze sind oft unabhängige Sätze. Das Semikolon kann aber auch Nebensätze verbinden, die vom selben Hauptsatz abhängen.
- Beispiel:
- Flavie n’aurait pas raté son train si elle s’était levée plus tôt ; si elle avait imprimé son billet la veille ; et s’il n’y avait pas eu de perturbations sur la ligne de métro.Flavie hätte ihren Zug nicht verpasst, wenn sie früher aufgestanden wäre; wenn sie ihr Ticket am Vortag ausgedruckt hätte; und wenn es keine Störungen auf der U-Bahn-Linie gegeben hätte.
- Alle durch si eingeleiteten Nebensätze hängen vom Hauptsatz „Flavie n‘aurait pas raté son train …“ ab.
Aufzählungen
In Aufzählungen kann man das Semikolon verwenden, um Wortgruppen zu trennen, die eine sinnhafte Einheit bilden und zwischen denen bereits Kommas stehen. Dies erleichtert das Verständnis des Satzes, indem „Blöcke“ gebildet werden.
- Beispiel:
- […] et je les vis tous les deux déplacer en silence les bancs de l’école – le grand Meaulnes, taciturne et l’air dur, sa blouse noire boutonnée à trois boutons en arrière et sanglée à la ceinture ; l’autre délicat, nerveux, la tête bandée comme un blessé.… und ich sah, wie sie beide schweigend die Schulbänke verschoben – der große Meaulnes, schweigsam und mit grimmigem Gesichtsausdruck, seine schwarze Bluse hinten mit drei Knöpfen zugeknöpft und am Gürtel festgeschnallt; der andere zart, nervös, den Kopf wie ein Verwundeter verbunden. (Le grand Meaulnes, Alain-Fournier)